
Pläne der Bundesregierung für 2026: Mehr Arbeiten, weniger Netto vom Brutto
Dem Eindruck, die Arbeitnehmer ließen sich aufgrund der Vereinfachung des Procederes häufiger krankschreiben, widerspricht die AOK. Ärzte würden kaum telefonische Krankschreibungen abrechnen. Die Krankenkasse führt dagegen an, dass mit der Einführung der elektronischen Krankmeldung Fehlzeiten grundsätzlich besser erfasst würden. Demnach seien die Deutschen nicht häufiger krank als früher, sondern ihre Fehlzeiten würden nur besser erfasst.
Schon am Mittwoch hatte Merz die deutschen Arbeitnehmer attackiert. Auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau sagte der Kanzler, “insgesamt ist die Arbeitsleistung unserer Volkswirtschaft nicht hoch genug.” Er fügte hinzu: “Um es noch deutlicher zu sagen: Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes, den wir heute haben, in Zukunft nicht erhalten – und deswegen müssen wir mehr arbeiten.”
Damit machen sowohl Merz als auch Söder deutlich, dass sie die durch das Sanktionsregime schwindende internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands durch vermehrten Druck auf die Arbeitnehmer bekämpfen wollen. Eine grundsätzliche Neuausrichtung der deutschen Wirtschaftspolitik, eine Stärkung der Binnennachfrage und gerechtere Teilhabe am gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand stehen für die beiden Unionspolitiker nicht zur Debatte.
Merz bleibt dem eingeschlagenen Kurs der Nachfragedrosselung verpflichtet, die nach Auffassung des Ökonomen Heiner Flassbeck zum Abstieg Deutschlands führt und die EU spaltet. Flassbeck führt in einem aktuellen Beitrag aus: “Wenn als Konsequenz eines von der CDU initiierten erneuten deutschen Lohndumpings überall in Europa die Löhne sinken, wird der einzige Weg, auf dem ein Kontinent wirtschaftlich erfolgreich sein kann, nämlich über die Belebung seiner Binnennachfrage, verschüttet. Folglich schadet man mit der Senkung der deutschen Arbeitskosten nicht nur den anderen Europäern, sondern man zieht sich selbst zusammen mit allen anderen in den Sumpf der Deflation.”
Konkret bedeutet das: Für die Weigerung des Kanzlers, sich um eine tatsächliche Neuausrichtung der deutschen Wirtschaft jenseits überkommener Modelle zu bemühen, müssen die Arbeitnehmer einen hohen Preis zahlen: Ihr Lebensstandard wird weiter sinken.